Trotz der nun sommerlichen Temperaturen und des Urlaubs gibt es einige unspektakuläre Alltagspflichten, die zu erledigen sind. So ging es heute zur Post. Ein Umstand, der einem Postboten geschuldet ist, der sich zu schade war, an der Haustür zu klingeln. So musste ich das Einschreiben also abholen. Ein Einschreiben? Oh, oh! Was mag das sein? Was habe ich nur angestellt?
Über der Hauptpost prangt neuerdings das Logo der Postbank, Briefe und Pakete sind zur Nebensache geworden. Äußeres Zeichen: Eine Menschenschlange, bestehend aus genervten Müttern mit schreienden Kindern, Rentern, bei denen man schon denken musste “es eilt, der (die) hat keine Zeit mehr”, Geschäftsleuten die nur mal eben ihre Tagespost loswerden wollten und sporadisch auftauchenden “Normalos” wie uns, die nur schnell was abzuholen gedachten. Der Grund für die Schlange waren die nur zwei (von möglichen sechs) geöffneten Schalter. Hinter dem Tresen ging es aber recht munter zu. Zwei, teilweise bis zu vier Bedienstete hielten Klönschnack, schauten wichtig an der Schlange vorbei und benahmen sich so, als wenn sie alleine in ihrem blau-gelben Universum existieren würden. Kurz: Wir waren Luft! Das Ganze bei 30 Grad im Schatten. Das Kindergeschrei schwoll langsam an, umherirrende Renter auf der Suche nach Briefumschlägen, notorische Drängler und Nörgler komplettierten das Bild. Als Folge der forschen Bitte einer Hausfrau und Mutter von gleich zwei der kleinen Schreihälse, doch wenigstens e i n e n weiteren Schalter zu öffnen, wurden wir alle mit Ignoranz gestraft. Wir sahen die scheinbar überzähligen Mitarbeiter nur noch von hinten.
Nach einer halben Stunde endlich dran, machte ich meinem Unmut Luft: “Eine halbe Stunde sinnlos anstehen, nur weil der Postbote zu faul war zu klingeln, da muss man doch was machen können?” Die Antwort folgte prompt und klang etwas einstudiert ” Das tut mir leid, aber wir sind hier die Postbank, wir haben mit der Briefzustellung nichts zu tun”.
Schöne neue Welt!
PS: In dem Einschreiben waren nur Fotos, die von der “Für Sie” für eine Organspende-Story von mir gemacht wurden.
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