Es ist schon erstaunlich, wieviel Desinteresse unsere ach so soziale Gesellschaft manchem Zeitgenossen entgegenbringt. Beispiele gefällig? Gern.
In unserer Nähe gibt es einige Einrichtungen für Behinderte (bzw. gehandicapte). So kommt es oft vor, das einige in den örtlichen Bussen anzutreffen sind. Ein offensichtlich geistig behinderter Mann steht nun an der Bushaltestelle, U-Bahn Farmsen. Es ist Freitag Abend, die Bushaltestelle proppevoll. Der Bus kommt. Der Fahrer verschätzt sich mit dem Außenspiegel, der geistig Behinderte steht ein wenig zu nah an der Straße, es kracht. Ungläubig registriere ich, das weder der Busfahrer, noch jemand von den knapp 50 Passanten die alles gesehen haben, auch nur den Anschein erwecken sich um den Mann zu kümmern, oder sich zumindest dafür zu interessieren. Ich reiße mir die Kopfhörer meines MP3 -Players runter, gehe auf den Mann zu, betrachte seinen Hinterkopf und Frage, ob alles in Ordung ist. Ein glücklich dahingelächelntes “Ja. Der Bus ist jetzt da.” als Antwort beruhigt mich wieder.
Szenenwechsel. Heute Mittag, Mühlenkamp. Ein junger Mann geht neben seiner Begleitung schnellen Schrittes an mir vorbei. Zwei Meter weiter verscuht ein alter Mann mit einem Trolley im Schlepptau den Bürgersteig zu queren. Offensichtlich nicht schnell genug. “Darf ich mal!!!” schallt es dem Opi um die Ohren und der Fußgänger packt beherzt den Trolley beiseite. Zurück bleibt ein verunsicherter und erschrockener alter Mann. Ein von mir hinterhergerufenes “Bist Du schon so alt, dass Du keine Zeit mehr hast kurz stehen zu bleiben!?“, bringt mir nur einen bösen Blick.
Zehn Sekunden Interesse und Aufmerksamkeit zum Wohle eines Anderen. Ist das zuviel Verlangt?




















